Mikroben zum Recycling verwenden, wie geht das?

Der größte Teil unseres Müll gelangt heute in große Müllverbrennungsanlagen. Dabei entstehen Schlacken, die giftig sind und deshalb nicht recycelt werden können. Bis eine Idee dies möglich machte, jedenfalls theoretisch.

Alte Handys, Kabel, Elektrogeräte und so vieles mehr wandern auf den Müll und von dort in die Müllverbrennungsanlage. Was herauskommt ist ein großer Haufen Schlacke. Und die enthält viele giftige Bestandteile wie Silizium zum Beispiel. Dadurch ist es nicht möglich, die Schlacken für die Weiterverarbeitung zu nutzen. Sie werden also eingelagert, Millionen Tonnen davon Jahr für Jahr. Ein Kreislauf, den Geomikrobiologe Andreas Kappler unterbrechen wollte. An der Universität Tübingen forschte er an Methoden, die Schlacken mithilfe von Mikroben zu reinigen, um sie dann anschließend der weiterverarbeitenden Industrie zur Herstellung von Beton zu verkaufen. Ein lohnenswertes Geschäftsmodell, dass leider nie realisiert werden konnte. Und das liegt an genau einem Bestandteil in der Schlacke: Am Kupfer. Das ließ sich als Einzigstes nicht in geforderter Menge entfernen. Die Entscheidung vom Deutschen Institut für Bautechnik fiel deshalb hart aus: Wenn die Zusammensetzung weit über den Normsätzen liegt, dann ist das Produkt für den Bauhandel nicht sicher genug und darf deshalb nicht weiterverarbeitet werden.

An den Behörden gescheitert

Eine Entscheidung, die der Biologe so nicht nachvollziehen kann. In Ländern wie Finnland sei der höhere Anteil an Kupfer im Produkt kein Problem und deshalb erlaubt, urteilt Kappler. Doch die Auslagerung seiner gereinigten Schlacken nach Finnland scheitert an gesetzlichen und logistischen Hürden. Es gäbe außerdem keine Lobby die sich dafür einsetzt, einen höheren Kupferanteil zu erlauben. Das würde schließlich nichts an der Qualität ändern, den Beton sogar noch etwas stabiler machen und damit von Vorteil sein. Doch solange die Lobby fehlt und die Behörde hart bleibt, hat das gesamte Konzept des Visionärs keine Basis und muss damit auf Eis gelegt werden. Vielleicht findet Kappler ja in der Zwischenzeit noch eine Reinigungslösung, die auch das Kupfer entfernen kann. Zumindest bis auf den erlaubten Wert von 200 Milligramm in jedem Kilogramm Schlacke.

Bildurheber: peshkova / 123RF Standard-Bild

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.